Abbruchkurve über die Karten eines Karussells — Castyourlayer
Strategie·6 Min Lesezeit·19. August 2026

Wie viele Slides braucht ein Karussell? Die ehrliche Antwort

Du hast dein Thema, du hast Material für gefühlt fünfzehn Karten, und irgendwo im Kopf sitzt die Zahl sieben, weil das mal jemand gesagt hat. Also kürzt du auf sieben und merkst beim Lesen, dass jetzt drei Karten hetzen und eine überflüssig ist. Die Zahl war nie die Frage. Sie ergibt sich aus dem, was du sagen willst, und sobald du sie vorher festlegst, arbeitest du gegen den eigenen Inhalt.

Die Frage nach der Anzahl ist so beliebt, weil sie eine einfache Antwort verspricht. Sie hat keine. Was sie hat, ist ein Korridor und ein Test, den du auf jede einzelne Karte anwenden kannst.

Warum die Zahl das falsche Kriterium ist

Ein Karussell wird nicht deshalb zu Ende gelesen, weil es kurz ist. Es wird zu Ende gelesen, weil jede Karte einen Grund mitliefert, die nächste anzusehen. Drei Karten ohne diesen Grund verliert man genauso wie zwölf.

Deshalb hilft die Frage „wie viele" so wenig. Die brauchbare Frage lautet: Was passiert zwischen Karte vier und fünf? Wenn dort nichts passiert, ist die Länge nicht das Problem.

Bleistift auf einer Storyboard-Skizze mit einzelnen Kästchen
Ein Karussell ist ein Storyboard. Jedes Kästchen hat eine Aufgabe, sonst gehört es nicht dazu.

Woher die magischen Zahlen kommen

Aus Auswertungen fremder Konten. Jemand hat gemessen, dass Karussells mit sieben Karten im Schnitt besser liefen, und daraus wurde eine Regel. Der Denkfehler dabei ist alt: Wer nur die erfolgreichen Beispiele betrachtet, sieht die gescheiterten mit derselben Kartenzahl nicht. Diese Verzerrung durch Überlebende macht aus einer Beobachtung eine Vorschrift. Dazu kommt, dass fremde Konten andere Themen, andere Leser und andere Formate haben. Eine Zahl, die dort gemessen wurde, ist für dich bestenfalls ein Anhaltspunkt, und der Blick auf den Weg durch den eigenen Beitrag sagt deutlich mehr als jeder Durchschnitt.

Was die Zahl tatsächlich beeinflusst

Wie weit gewischt wird, hängt an der Frage, ob jede Karte einen Grund liefert, die nächste anzusehen. Eine Karte ohne Grund beendet das Karussell, ganz gleich ob sie die dritte oder die neunte ist. Die brauchbare Frage lautet deshalb „wo bricht es ab" und nicht „wie viele". Beantworten kann sie die Wischtiefe in den Insights.

Der Korridor, in dem die meisten landen

Instagram erlaubt bis zu zwanzig Karten. In der Praxis pendeln die meisten Karussells zwischen sieben und zehn, und das hat zwei nachvollziehbare Gründe.

Unter fünf Karten greift der Wisch-Effekt kaum. Das Format lebt davon, dass jemand einmal angefangen hat zu wischen und dann weitermacht. Bei drei Karten ist die Sache vorbei, bevor dieser Sog entsteht.

Über zwölf Karten kippt es in die andere Richtung. Die Punktereihe unter dem Bild zeigt, wie viel noch kommt, und ab einer bestimmten Länge liest man das als Aufwand statt als Versprechen.

Der Test für jede einzelne Karte

Statt zu zählen, geh die Karten einzeln durch. Jede muss eine der drei Aufgaben erfüllen, sonst fliegt sie raus.

  1. Öffnet die Karte eine Frage?

    Sie stellt etwas in den Raum, das die nächste Karte beantwortet. Das ist die stärkste Sorte, und in einem guten Karussell macht das die Mehrheit der Karten.

  2. Beantwortet sie eine offene Frage?

    Sie schließt, was vorher aufgemacht wurde. Ohne diese Karten hat man am Ende ein Gefühl von Leerlauf, auch wenn jede einzelne Karte für sich interessant war.

  3. Bringt sie ein konkretes Detail?

    Eine Zahl, ein Beispiel, ein Satz aus einem echten Gespräch. Diese Karten tragen nichts zur Dramaturgie bei und sind trotzdem oft die, die gespeichert werden.

Karten, die keine dieser drei Aufgaben erfüllen, wiederholen meist nur die vorherige mit anderen Worten. Die merkt man beim Bauen selten und beim Lesen sofort.

Vier Karten, die fast immer überflüssig sind

Wenn du kürzen musst, fang hier an. Diese vier tauchen in fast jedem Entwurf auf und tragen nichts:

  • Die Ankündigungskarte. „In diesem Karussell zeige ich dir …" Der Leser sieht ohnehin, was kommt.
  • Die Vorstellungskarte. Wer du bist, steht im Profil, und wer es wissen will, tippt darauf.
  • Die Zusammenfassungskarte. Sie wiederholt, was zwei Karten vorher stand, bei einem Text von vierhundert Wörtern.
  • Die zweite Beispielkarte. Ein gutes Beispiel überzeugt, ein zweites verdoppelt nur die Länge.

Damit sind die meisten Entwürfe schon vier Karten kürzer, ohne dass eine Aussage fehlt. Wie du die verbleibenden aufbaust, steht in Karussellpost erstellen.

Wie du von zwölf auf acht kommst

Wenn nach dem Test noch zu viele Karten übrig sind, gibt es zwei Wege, die zuverlässig funktionieren.

Zwei Karten zu einer machen. Oft stehen auf zwei Karten zwei Hälften desselben Gedankens, weil beim Schreiben der Platz knapp wurde. Zusammengezogen liest es sich schneller und wirkt entschiedener.

Aus dem Rest einen zweiten Beitrag machen. Wenn du beim Kürzen merkst, dass zwei Themen im Karussell stecken, ist das kein Problem, sondern ein zweiter Post. Ein Karussell mit einer klaren Aussage schlägt eins mit zwei halben.

Was ist die Obergrenze, und was passiert darüber?

Instagram erlaubt inzwischen deutlich mehr Karten, als früher üblich war, und genau das verleitet dazu, den Rahmen auszureizen. Das ist selten eine gute Idee.

Warum lange Karussells schwer tragen

Jede zusätzliche Karte ist eine weitere Gelegenheit auszusteigen. Bei zwölf Karten muss elfmal hintereinander ein Grund zum Weiterwischen entstehen, und das schafft kaum ein Thema. Dazu kommt, dass Leser im Feed überfliegen statt zu lesen, was seit Langem untersucht ist, und Überfliegen hält keine zwölf Stationen durch.

Wie erkennst du die richtige Zahl für dein Thema?

Schreib den Text zuerst am Stück, ohne an Karten zu denken, und teil ihn danach an den natürlichen Nähten. Jede Naht ist dort, wo ein Gedanke endet und ein neuer beginnt. Was dabei herauskommt, ist die richtige Zahl, und sie liegt bei den meisten Themen zwischen fünf und neun, ohne dass man sie vorher festlegen müsste. Der Ablauf steht in Karussell-Texte in Canva.

Drei Zeichen, dass eine Karte fehlt

  • Du musst beim Lesen zurückspringen. Dann fehlt ein Zwischenschritt.
  • Eine Karte hat zwei Aussagen. Zwei Gedanken auf einer Karte heißt: Es sind zwei Karten.
  • Der Sprung von vorletzter zu letzter Karte ist groß. Der Schluss kommt zu früh, und das merkt man erst beim Wischen.

Drei Zeichen, dass eine zu viel ist

  • Du könntest sie weglassen, ohne dass etwas fehlt. Der einfachste Test, und er wird zu selten gemacht.
  • Sie sagt dasselbe wie die Karte davor, nur anders. Das passiert beim Ausformulieren fast automatisch.
  • Sie steht nur da, weil die Zahl gerade ungerade war. Es gibt keinen Grund für gerade Zahlen, und im Feed sieht das ohnehin niemand. Was tatsächlich zählt, steht in den Grundlagen zum Karussellpost.

Wann viele Karten trotzdem richtig sind

Bei echten Schritt-für-Schritt-Anleitungen, bei denen jede Karte einen Handgriff zeigt. Dort ist die Länge kein Problem, weil der Leser mitarbeitet statt zu konsumieren. Der Unterschied ist leicht zu prüfen: Wenn jemand das Karussell nebenher speichert, um es später zu benutzen, darf es lang sein. Wenn er es im Vorbeiscrollen liest, nicht.

Was das für die erste Karte bedeutet

Je länger das Karussell, desto mehr muss die erste Karte versprechen, und desto eher enttäuscht sie. Bei fünf Karten reicht ein konkreter Einstieg, bei zwölf braucht es eine Ankündigung, die den Aufwand rechtfertigt. Genau daran scheitern lange Karussells häufiger als an ihrer Länge. Wie ein erster Satz aussieht, der trägt, ohne zu viel zu versprechen, steht in Der Hook, der entscheidet, und welche Maße die Karten dabei haben sollten, im Karussell-Format.

Woran du siehst, ob die Länge gepasst hat

An der Wischtiefe, und zwar an ihrer Form. Vier Verläufe kommen regelmäßig vor:

  • Gleichmäßiger Abfall bis zum Ende. Der Normalfall, und ein gutes Zeichen. Die Länge hat gepasst.
  • Bruch nach Karte eins. Kein Längenproblem, sondern ein Einstiegsproblem.
  • Bruch in der Mitte. Dort fehlt ein Grund weiterzuwischen, meistens eine Karte ohne eigene Aussage.
  • Viele erreichen die letzte Karte. Dann war es eher zu kurz als zu lang, und beim nächsten Mal darf mehr Inhalt hinein.

Was du stattdessen mit dem Material machst

Zwei Karussells statt eines langen, an einer inhaltlichen Naht getrennt. Das ist fast immer die bessere Lösung: Du bekommst zwei Beiträge, jeder hat einen eigenen Einstieg, und keiner überfordert. Wie du das Material dafür sammelst, steht in Content-Ideen mit System, und wie du daraus einen Plan machst, im Redaktionsplan. Den Überblick zum Format hält die Übersicht zu Karussells texten statt designen bereit.

Fazit

Sieben bis zehn Karten sind ein guter Startwert, mehr nicht. Die eigentliche Arbeit ist der Durchgang Karte für Karte mit der Frage, ob sie öffnet, schließt oder etwas Konkretes liefert. Was keine dieser Aufgaben hat, kürzt du raus, und die Zahl ergibt sich von selbst.

Häufige Fragen

Wie viele Slides sollte ein Instagram-Karussell haben?

Sieben bis zehn sind der übliche Korridor. Unter fünf greift der Wisch-Effekt kaum, über zwölf steigt die Abbruchrate spürbar. Die Zahl ist aber nachrangig: Entscheidend ist, ob jede Karte einen Grund liefert, die nächste anzusehen.

Wie viele Karten erlaubt Instagram maximal?

Zwanzig pro Beitrag. Das ist eine technische Obergrenze und keine Empfehlung. Wer sie ausreizt, verliert die meisten Leser lange vorher.

Ist ein kurzes Karussell schlechter?

Nein. Drei starke Karten schlagen zehn schwache. Kurz wird nur dann zum Problem, wenn das Thema mehr Raum gebraucht hätte und die letzte Karte abrupt endet, ohne die im Einstieg geöffnete Frage zu beantworten.

Woran merke ich, dass mein Karussell zu lang ist?

In den Insights an der Zahl der Personen, die bis zum Ende gewischt haben, im Vergleich zu denen, die die erste Karte gesehen haben. Fällt der Wert nach einer bestimmten Karte stark ab, liegt dort das Problem, und zwar meist im Text dieser Karte, nicht in ihrer Position.

Soll die letzte Karte immer ein Call-to-Action sein?

Nicht zwingend. Eine Handlungsaufforderung auf der letzten Karte funktioniert, wenn davor etwas steht, das sie rechtfertigt. Wer nichts geliefert hat, wirkt mit einem CTA auf Karte zehn wie eine Anzeige.

Kann ich Karten nachträglich hinzufügen?

Ja, Instagram erlaubt inzwischen das Bearbeiten von Karussells. Die Reihenfolge lässt sich ändern und einzelne Karten lassen sich entfernen. Neue Karten anzuhängen ist nur begrenzt möglich, plane die Reihenfolge also lieber vorher.

Welche Maße die Karten brauchen, steht im Beitrag zum Karussell-Format, und der komplette Überblick zum Format liegt in der Übersicht zu Karussells texten statt designen.

Die Karten schreiben sich nicht von allein.

Castyourlayer texted die Slides in deinem Ton, aus deinen bisherigen Posts gelernt. Der kostenlose Profil-Check zeigt dir vorher, welche Themen bei dir bisher am besten getragen haben.

Kostenlosen Profil-Check starten →