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Instagram-Profil analysieren: die drei Sekunden, die zählen
Jemand sieht deinen Beitrag, tippt auf deinen Namen und ist drei Sekunden später wieder weg. In diesen drei Sekunden hat dein Profil eine einzige Frage beantwortet, und meistens anders, als du denkst. Der Grund liegt daran, dass du dein eigenes Profil nie zum ersten Mal siehst. Diese Perspektive lässt sich trotzdem herstellen, und zwar mit einem festen Durchgang in einer festen Reihenfolge.
Was ein Fremder in drei Sekunden mitnimmt
Der erste Blick läuft bei allen Menschen ähnlich ab, und er beantwortet eine einzige Frage. Wer diese Frage kennt, prüft sein Profil in der richtigen Reihenfolge.
Die Reihenfolge, in der ein Blick läuft
Oben links beginnt es, wandert nach rechts, springt eine Zeile tiefer und wird dabei kürzer. Die Nielsen Norman Group hat dieses Muster in ihrer Eyetracking-Untersuchung zum F-förmigen Lesemuster beschrieben. Auf ein Instagram-Profil übertragen heißt das: Profilbild und Namensbereich bekommen die meiste Aufmerksamkeit, die dritte Bio-Zeile fast keine.
Die Frage, die dabei beantwortet wird
Sie lautet „ist das etwas für mich". Wer die Person hinter dem Profil ist, interessiert in diesen drei Sekunden noch niemanden. Wer die Frage mit Ja beantwortet, liest weiter und sieht sich die Kacheln an. Wer sie nicht beantworten kann, geht zurück in den Feed. Ein Profil, das erst nach dem dritten Beitrag verständlich wird, hat die Entscheidung längst verloren.
Warum du das selbst nicht sehen kannst
Du kennst den Zusammenhang, den ein Fremder erst herstellen muss. Dein Blick füllt Lücken automatisch mit Wissen, das im Profil gar nicht steht. Drei Wege stellen die fehlende Außensicht her, und alle drei kosten wenige Minuten:
- Jemand aus einer anderen Branche. Fünf Sekunden draufschauen lassen, dann fragen, was die Person anbietet. Die Antwort ist dein Befund.
- Der eigene Bildschirm im Abstand. Telefon eine Armlänge weg, Augen zusammenkneifen. Was dann noch lesbar ist, sieht ein Fremder auch.
- Ein fester Durchgang nach Liste. Er zwingt dich, Feld für Feld zu prüfen, statt das Profil als Ganzes anzusehen und für stimmig zu halten.
Der Profil-Durchgang in sieben Feldern
Sieben Felder, jedes mit genau einer Prüffrage. Zwanzig Minuten für den ganzen Durchgang.
| Feld | Prüffrage | Häufigster Fehler |
|---|---|---|
| Profilbild | Erkennbar bei 40 Pixeln? | Logo mit Schrift darin |
| Nutzername | Tippbar, ohne nachzufragen? | Punkte und Unterstriche gemischt |
| Namensbereich | Steht dort ein Suchbegriff? | nur der Eigenname |
| Bio Zeile 1 | Für wen bist du da? | eine Selbstbeschreibung |
| Bio Zeile 2 | Was hat jemand davon? | Aufzählung von Leistungen |
| Link | Führt er zu einer Handlung? | Startseite ohne Bezug |
| Highlights | Beantworten sie die üblichen Fragen? | Titel ohne Aussage |
Profilbild und Nutzername
Das Profilbild erscheint an den meisten Stellen winzig, weshalb Schrift darin verschwindet. Ein Gesicht funktioniert dort besser als ein Schriftzug, was die Nielsen Norman Group für Bilder im Web allgemein in ihren Befunden zu Fotos als Inhalt beschreibt: Bilder mit echten Menschen bekommen Aufmerksamkeit, dekorative Bilder werden übersehen. Der Nutzername sollte am Telefon fehlerfrei tippbar sein, ohne dass jemand nach der Schreibweise fragen muss.
Der Namensbereich als Suchfeld
Das Feld unter dem Profilbild wird durchsucht, und genau deshalb gehört dort mehr hinein als dein Name. Name und Thema zusammen machen dich für Leute auffindbar, die dich noch nicht kennen. „Anna Berger" findet nur, wer den Namen bereits kennt. „Anna Berger, Buchhaltung für Handwerk" findet zusätzlich jeder, der nach dem Thema sucht, und das ist die Gruppe, um die es geht. Das Feld hat rund dreißig Zeichen, also passt genau ein Thema hinein und keine Aufzählung. Wie Instagram diese Felder für die Suche nutzt, steht in Instagram-SEO.
Bio, Link und Highlights
Die Bio hat rund 150 Zeichen für drei Angaben: für wen du da bist, was derjenige davon hat, und was er als Nächstes tun soll. Die Nielsen Norman Group hat für Selbstdarstellungen im Web untersucht, was Leser dort tatsächlich suchen, und beschreibt in ihren Befunden zu „Über uns"-Informationen, dass konkrete Angaben zum Angebot vor Selbstlob kommen. Was rein gehört und was rausfliegt, steht in Instagram-Bio schreiben, die Formatierung in Bio formatieren.
Was sagen dir die ersten neun Kacheln?
Unter der Bio entscheidet sich, ob aus Interesse ein Folgen wird. Drei Prüfungen reichen dafür.
Der Eindruck aus der Entfernung
Halte dein Telefon eine Armlänge weg und sieh dir die neun Kacheln an, ohne einen Text zu lesen. Was bleibt hängen? Wenn dabei nur „bunt" oder „viele Buchstaben" übrig bleibt, fehlt eine erkennbare Linie. Vertrauen entsteht dabei über konkrete Belege statt über Gestaltung, wie die Nielsen Norman Group in ihren vier Glaubwürdigkeitsfaktoren zusammenfasst.
Ein Thema oder fünf
Zähl, wie viele verschiedene Themen in den neun Kacheln vorkommen. Über drei wird es für einen Fremden unsortiert, weil er in der kurzen Zeit keine Ordnung darin findet und deshalb keine bildet. Zähl dabei aus seiner Sicht, nicht aus deiner: Was für dich drei Facetten desselben Themas sind, sieht von außen oft nach drei Themen aus. Wenn du mehrere Interessen hast, brauchst du einen verbindenden Faden statt einer Streichliste, und der Weg dahin steht in Personenmarke aufbauen sowie in Personal Branding auf Instagram.
Highlights als zweite Bio
Highlights beantworten die Fragen, die Leute vor einer Anfrage haben. Vier bis sechs reichen, und ihre Titel sollten Fragen benennen statt Kategorien. Diese vier decken die üblichen Fragen ab:
- Ablauf. Was passiert, wenn sich jemand meldet. Nimmt die größte Hürde vor einer Anfrage.
- Ergebnisse. Was am Ende herauskommt, an einem konkreten Fall gezeigt statt behauptet.
- Preise oder Rahmen. Auch eine Spanne hilft. Wer keine Angabe findet, fragt oft gar nicht erst.
- Wer dahintersteht. Der Teil, der bei Personenmarken den Unterschied macht.
Ein Highlight mit dem Titel „Ablauf" bringt mehr als eines mit dem Titel „Infos", weil der erste Titel eine Frage beantwortet und der zweite nur ankündigt, dass dort etwas liegt.
Wo die Zahlen zum Profil etwas beitragen
Der qualitative Durchgang liefert die Vermutung, die Zahlen bestätigen sie oder eben nicht.
Profilaufrufe im Verhältnis zur Reichweite
Diese Rate zeigt, wie viele Leute nach einem Beitrag mehr wissen wollten. Sie hängt am Einstieg deiner Beiträge, kaum am Inhalt in der Mitte. Wie du sie in einem Durchgang liest, steht in Instagram Insights auswerten.
Was daraus für dein Profil folgt
Die Kombination der beiden Zahlen sagt dir, wo du ansetzt:
- Wenige Profilaufrufe, viel Reichweite. Deine Beiträge halten niemanden neugierig genug. Das Problem sitzt im Einstieg, nicht im Profil.
- Viele Profilaufrufe, wenige neue Follower. Leute kommen an und gehen wieder. Genau hier hilft der Durchgang aus diesem Beitrag.
- Beides niedrig. Zuerst die Reichweite, weil ohne Besucher kein Profil etwas ausrichtet.
Was du dafür brauchst
Ohne Profi-Konto siehst du keine dieser Zahlen. Die Umstellung dauert zwei Minuten und steht in Profil auf Business umstellen. Am Rechner liegen die Verläufe nebeneinander, was Muster sichtbar macht, siehe Instagram Insights am PC. Wie sich die Followerzahl dabei aufschlüsselt, steht in Follower analysieren.
Wie analysierst du ein fremdes Profil?
Derselbe Durchgang funktioniert für fremde Konten, nur mit weniger Daten und einer klaren Grenze.
Was von außen sichtbar ist
Alle sieben Felder, die Kacheln, die Highlights und die Reaktionen auf einzelne Beiträge. Daraus lässt sich die Interaktionsrate berechnen und der Aufbau erkennen. Wie du daraus einen Vergleich baust, steht in Konkurrenz analysieren in sieben Punkten.
Was Werkzeuge behaupten und nicht liefern
Zugänge, Abgänge, Zielgruppendaten und Profilbesucher fremder Konten sind von außen verborgen. Werkzeuge, die solche Zahlen versprechen, schätzen sie aus öffentlichen Angaben oder verlangen Zugriff auf dein eigenes Konto. Im ersten Fall bekommst du eine Hochrechnung, die als Messwert auftritt. Im zweiten gibst du Zugriff auf dein Konto für Zahlen her, die du über deinen eigenen Durchgang ohnehin bekommst. Beides ist den Preis selten wert, und der zweite Fall ist zusätzlich der Grund, aus dem Konten regelmäßig gesperrt werden.
Die Grenze, die du nicht überschreitest
Fünf Profile von Hand ansehen und Notizen machen ist unproblematisch. Systematisches automatisiertes Auslesen und Speichern ist etwas anderes, weil öffentlich sichtbare Angaben personenbezogene Daten bleiben und die Plattform automatisiertes Sammeln in ihren Bedingungen untersagt. Für eine brauchbare Analyse reicht die Handarbeit ohnehin.
Vom Befund zur Änderung
Ein Durchgang ohne Änderung war ein Zeitvertreib. Drei Regeln halten die Umsetzung sauber.
Die Reihenfolge, in der du änderst
Von schnell und wirksam zu langsam und unsicher:
- Namensbereich. Zwei Minuten, betrifft Auffindbarkeit und Einordnung gleichzeitig.
- Bio Zeile 1. Wer angesprochen ist, gehört in den ersten Satz.
- Link und Highlights. Danach, weil sie erst greifen, wenn jemand schon bleibt.
- Profilbild und Gestaltung. Zuletzt, weil sie am wenigsten erklären.
Eine Änderung, dann messen
Ändere den Namensbereich und lass ihn vier Wochen stehen, bevor du die nächste Sache anfasst. Wer alles gleichzeitig umstellt, weiß hinterher nichts. Was ein professionell wirkendes Konto sonst noch ausmacht, steht in Privaten Account professionalisieren.
Wann du erneut prüfst
Zweimal im Jahr und immer dann, wenn sich dein Angebot ändert. Häufiger führt dazu, dass du an der Bio schraubst, statt Beiträge zu veröffentlichen, und die Bio rettet keinen Feed. Setz dir stattdessen zwei feste Termine im Jahr und halte den Befund jedes Mal in denselben sieben Feldern fest. Nach zwei Durchgängen siehst du, welche Änderung tatsächlich etwas bewegt hat und welche nur Arbeit war.
Damit hast du den qualitativen Durchgang. Wie die Zahlen dazu aussehen, wo du sie findest und was ohne Profi-Konto bleibt, steht gebündelt in der Übersicht zu Instagram Insights.
Häufige Fragen
Wie analysiere ich mein Instagram-Profil selbst?
Geh es in der Reihenfolge durch, in der ein Fremder es sieht: Profilbild, Name, Namensbereich, Bio, Link, Highlights, die ersten neun Kacheln. Prüfe bei jedem Feld nur eine Frage, nämlich ob es zur Einordnung beiträgt. Wer stattdessen bei den Zahlen anfängt, korrigiert Symptome.
Wie oft sollte ich mein Profil prüfen?
Zweimal im Jahr reicht, plus immer dann, wenn du dein Angebot änderst. Häufiger zu prüfen führt dazu, dass du an der Bio schraubst, statt Beiträge zu veröffentlichen. Die Bio ändert selten etwas, solange die Beiträge dahinter nicht stimmen.
Kann ich sehen, wer mein Profil besucht hat?
Nein. Instagram nennt keine Namen von Profilbesuchern, und Werkzeuge, die das versprechen, können es ebenfalls nicht. Was du siehst, ist die Zahl der Profilaufrufe im Zeitraum, und die reicht für die Auswertung völlig aus.
Was gehört in den Namensbereich unter dem Profilbild?
Dein Name und dein Thema, weil dieses Feld durchsucht wird. „Anna Berger" allein macht dich nur für Leute auffindbar, die deinen Namen bereits kennen. „Anna Berger | Buchhaltung für Handwerk" bringt zusätzlich alle, die nach dem Thema suchen.
Darf ich fremde Profile systematisch auswerten?
Ansehen und von Hand notieren ist unproblematisch. Beim automatisierten Sammeln und Speichern fremder Profildaten wird es heikel, weil auch öffentlich sichtbare Angaben personenbezogene Daten bleiben und die Plattform automatisiertes Auslesen untersagt. Für einen Vergleich reichen fünf Profile von Hand.
Was ändere ich zuerst, wenn vieles unklar ist?
Den Namensbereich, weil er Auffindbarkeit und Einordnung gleichzeitig betrifft und in zwei Minuten geändert ist. Danach die Bio, danach die Highlights. Das Profilbild kommt zuletzt, weil es am wenigsten erklärt und am meisten Aufwand macht.
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